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Propofol-Dosisrechner

Berechnen Sie die Propofol-Dosierung nach klinischer Indikation mit Infusionsraten, Volumen für 10 mg/mL Konzentration und kalorischem Beitrag. Unterstützt Narkoseeinleitung, Aufrechterhaltung, Intensiv-Sedierung, prozedurale Sedierung und MAC.

Eingaben

Dosisreduktion bei Alter >55
Gewicht eingeben, um die Propofol-Dosis zu berechnen.
⚠ Hämodynamische Effekte
Hypotonie: Erwarten Sie einen MAP-Abfall von 15–25 % nach Einleitung. Stärker ausgeprägt bei älteren, hypovolämischen und kardial eingeschränkten Patienten. Volumen-Vorbehandlung und langsame Verabreichung erwägen.
Apnoe: Tritt bei 25–35 % der Patienten nach Bolus-Gabe auf. Atemwegsequipment und Beatmungsmöglichkeit müssen sofort verfügbar sein.

Haftungsausschluss: Nur zu Bildungszwecken. Überprüfen Sie Dosierungen immer anhand der hauseigenen Arzneimittelliste und Apotheke. Kein Ersatz für klinische Beurteilung.

Über dieses Tool

Was ist Propofol?

Propofol (2,6-Diisopropylphenol) ist ein kurzwirksames intravenöses Anästhetikum, das weit verbreitet für die Einleitung und Aufrechterhaltung der Allgemeinanästhesie, prozedurale Sedierung und Intensiv-Sedierung eingesetzt wird. Es wurde 1986 eingeführt und ist als Lipidemulsion formuliert (10 % Sojaöl, 2,25 % Glycerol, 1,2 % Eilecithin). Es wirkt hauptsächlich über die Potenzierung von GABAA-Rezeptoren. Sein schneller Wirkungseintritt (15–30 Sekunden) und die kurze Wirkdauer (5–10 Minuten nach Einzelbolus) machen es ideal für kurze und prolongierte Eingriffe.

Dosierung nach Indikation

Allgemeinanästhesie — Narkoseeinleitung: Die Standard-Einleitungsdosis für Erwachsene beträgt 1,5–2,5 mg/kg i.v., verabreicht über 20–30 Sekunden (ca. 40 mg alle 10 Sekunden bis zum Bewusstseinsverlust). Ältere Patienten (>55 Jahre) benötigen niedrigere Dosen von 1–1,5 mg/kg aufgrund des verringerten Herzzeitvolumens und Verteilungsvolumens. Pädiatrische Patienten von 3–16 Jahren benötigen typischerweise höhere Dosen von 2,5–3,5 mg/kg. Patienten mit ASA III–V sollten reduzierte Dosen bei langsamerer Verabreichung erhalten.

Allgemeinanästhesie — Aufrechterhaltung (TIVA): Die totale intravenöse Anästhesie mit Propofol verwendet Infusionsraten von 100–200 µg/kg/min (6–12 mg/kg/h). Die Raten werden nach klinischem Effekt, BIS-Monitoring (Ziel 40–60) und hämodynamischen Parametern titriert. Höhere Raten können in stimulierenden chirurgischen Phasen erforderlich sein.

Intensiv-Sedierung: Für mechanisch beatmete Erwachsene wird Propofol mit 5 µg/kg/min begonnen und in Schritten von 5–10 µg/kg/min alle 5–10 Minuten zum gewünschten Sedierungsniveau titriert (typischerweise RASS 0 bis −2). Der übliche Bereich ist 5–50 µg/kg/min (0,3–3 mg/kg/h). Auf PRIS achten: Raten unter 5 mg/kg/h (83 µg/kg/min) halten und Laktat, CK, Triglyzeride überwachen.

Prozedurale Sedierung (Notaufnahme): Ein initialer Bolus von 0,5–1 mg/kg i.v. wird über 20–30 Sekunden verabreicht, gefolgt von Ergänzungsdosen von 0,25–0,5 mg/kg alle 3–5 Minuten nach Bedarf. Dies bietet moderate bis tiefe Sedierung mit schneller Erholung. Dediziertes Atemwegsmanagement und Monitoring sind unerlässlich.

MAC / Überwachte Sedierung: Für Monitored Anesthesia Care wird Propofol mit 25–75 µg/kg/min (1,5–4,5 mg/kg/h) infundiert, oft mit einem initialen Bolus von 0,25–0,5 mg/kg. Dies bietet Anxiolyse und leichte Sedierung bei erhaltener Spontanatmung. Häufig verwendet für Endoskopie, Kataraktchirurgie und kleinere Eingriffe.

Pharmakokinetik

Parameter Wert
Wirkungseintritt (i.v. Bolus)15–30 Sekunden
Maximaler Effekt1–2 Minuten
Wirkdauer (Einzelbolus)5–10 Minuten
Verteilungshalbwertszeit2–4 Minuten
Eliminationshalbwertszeit4–7 Stunden (kontextsensitiv)
MetabolismusHepatisch (CYP2B6) + extrahepatische Konjugation
Proteinbindung97–99 %

🔑 Klinische Hinweise

  • Titration nach Wirkung: Propofol immer nach klinischer Wirkung titrieren. Angegebene Dosen sind Anfangsbereiche — individuelle Anforderungen variieren stark je nach Begleitmedikation, Komorbiditäten und prozeduraler Stimulation.
  • Kontextsensitive Halbwertszeit: Trotz langer Eliminationshalbwertszeit bleibt Propofols kontextsensitive Halbwertszeit relativ kurz (<25 min bei Infusionen bis 8 Stunden) aufgrund schneller Redistribution, was eine vorhersagbare Aufwachreaktion ermöglicht.
  • Injektionsschmerz-Minderung: Vorbehandlung mit Lidocain 0,5 mg/kg i.v. in eine große antekubitale Vene mit 30–60 Sekunden venöser Okklusion. Alternativ 20 mg Lidocain auf 200 mg Propofol mischen.
  • Lipidkalorien zählen: Bei 1,1 kcal/mL fügt eine Propofol-Infusion mit 30 mL/h ~792 kcal/Tag hinzu. Dies immer bei der Ernährungsberechnung auf der Intensivstation berücksichtigen.

Wichtige Referenzen

  • Miller RD, et al. Miller's Anesthesia, 9. Auflage, Kap. 30. Elsevier, 2020.
  • Roberts RJ, et al. Incidence of propofol-related infusion syndrome in critically ill adults. Crit Care. 2009;13(5):R169.
  • Hemphill S, et al. Propofol infusion syndrome: structured literature review. Br J Anaesth. 2019;122(4):448-459.

Formel zuletzt überprüft: Februar 2026