Levothyroxin-Dosisrechner
Berechnen Sie die empfohlene Levothyroxin-Startdosis basierend auf Körpergewicht, Alter und klinischer Indikation. Inklusive Tablettenstärken-Zuordnung, Schwangerschaftsanpassung und Hinweisen zu Arzneimittelinteraktionen.
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Haftungsausschluss: Nur zu Fortbildungszwecken. Kein Ersatz für ärztliche Beurteilung. Die Dosis muss individuell angepasst und nach TSH-Verlauf titriert werden. Konsultieren Sie stets die aktuellen Leitlinien und Fachinformationen.
Über dieses Tool
Was ist Levothyroxin?
Levothyroxin (L-T4) ist eine synthetische Form des Schilddrüsenhormons Thyroxin (T4), das hauptsächlich von der Schilddrüse produziert wird. Es ist die Standardtherapie der Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion) und gehört weltweit zu den am häufigsten verordneten Medikamenten. Levothyroxin ersetzt oder ergänzt das körpereigene Schilddrüsenhormon und stellt den normalen Stoffwechsel, Energiehaushalt und die physiologische Homöostase wieder her.
Indikationen für die Levothyroxin-Therapie
Primäre Hypothyreose ist die häufigste Indikation, verursacht durch Schilddrüsenversagen aufgrund von Hashimoto-Thyreoiditis, Thyreoidektomie, Radiojodtherapie oder anderen Ursachen. Die volle Substitutionsdosis beträgt etwa 1,6 µg/kg/Tag des idealen Körpergewichts. TSH-Suppressionstherapie wird bei differenziertem Schilddrüsenkarzinom eingesetzt, um das Rezidivrisiko zu senken, mit höheren Dosen von 2,0–2,5 µg/kg/Tag zur TSH-Suppression unter 0,1 mU/L. Subklinische Hypothyreose (erhöhtes TSH bei normalem fT4) kann eine Behandlung ab 25–50 µg/Tag rechtfertigen, abhängig von Symptomen, Antikörperstatus und kardiovaskulärem Risiko. Das Myxödemkoma ist ein lebensbedrohlicher Notfall, der i.v. Levothyroxin-Initialdosen von 200–400 µg erfordert.
Gewichtsbasierte Dosierung
Die Grundlage der Levothyroxin-Dosierung ist das Körpergewicht. Bei gesunden Erwachsenen unter 50 Jahren ohne kardiale Vorerkrankung kann die volle Substitutionsdosis von 1,6 µg/kg/Tag häufig direkt begonnen werden. Für einen 70 kg schweren Patienten entspricht dies etwa 112 µg/Tag. Bei adipösen Patienten sollte die Dosierung auf dem Lean Body Weight oder Idealgewicht basieren, da Fettgewebe den T4-Bedarf nicht wesentlich erhöht. Die Verwendung des Gesamtgewichts bei adipösen Patienten führt zu Überdosierung.
Altersangepasste Dosierung
Ältere Patienten und solche mit bekannter oder vermuteter koronarer Herzkrankheit erfordern eine vorsichtige Einleitung. Die empfohlene Anfangsdosis beträgt 12,5–25 µg/Tag, mit Steigerungen von 12,5–25 µg alle 4–6 Wochen. Eine rasche Schilddrüsenhormon-Substitution bei älteren Patienten kann Angina pectoris, Herzinfarkt oder Herzrhythmusstörungen auslösen. Die pädiatrische Dosierung ist pro Kilogramm höher als bei Erwachsenen aufgrund der erhöhten metabolischen Anforderungen des Wachstums — von 10–15 µg/kg/Tag bei Neugeborenen bis 2–3 µg/kg/Tag bei Jugendlichen.
Dosisanpassung in der Schwangerschaft
Der Schilddrüsenhormonbedarf steigt in der Schwangerschaft um etwa 25–50 %, bedingt durch erhöhtes Thyroxin-bindendes Globulin (TBG), erweitertes Plasmavolumen und plazentare Dejodierung. Die ATA empfiehlt, dass Frauen unter Levothyroxin-Therapie ihre Dosis um etwa 30 % (z. B. 2 zusätzliche Tabletten pro Woche der aktuellen Dosis) erhöhen, sobald die Schwangerschaft bestätigt ist. Der TSH-Wert sollte in der ersten Schwangerschaftshälfte alle 4 Wochen kontrolliert werden. Der TSH-Zielwert in der Schwangerschaft ist trimesterspezifisch, generell < 2,5 mU/L im ersten Trimester.
Verfügbare Tablettenstärken
Levothyroxin ist in einer Vielzahl von oralen Tablettenstärken verfügbar: 25, 50, 75, 88, 100, 112, 125, 137, 150, 175, 200 und 300 µg. Diese Granularität ermöglicht eine präzise Dosistitration, was wichtig ist, da selbst kleine Änderungen (12,5–25 µg) den TSH-Wert erheblich beeinflussen können. Tabletten sollten nicht geteilt werden, da die Gleichförmigkeit des Inhalts beeinträchtigt werden kann. Flüssig- und Weichkapsel-Formulierungen sind ebenfalls erhältlich und können die Absorptionskonsistenz bei Patienten mit gastrointestinalen Störungen oder Medikamenteninteraktionen verbessern.
🔑 Wichtige klinische Aspekte
- TSH hat eine log-lineare Beziehung zu freiem T4 — kleine Dosisänderungen bewirken große TSH-Verschiebungen.
- Steady-State-TSH benötigt 4–6 Wochen nach jeder Dosisänderung aufgrund der langen Halbwertszeit von T4 (~7 Tage).
- TSH-Kontrolle 4–6 Wochen nach Dosisbeginn oder -änderung, dann alle 6–12 Monate bei stabilem Verlauf.
- Die ATA empfiehlt keine routinemäßige T3-Supplementierung; Levothyroxin-Monotherapie ist der Standard.
- Malabsorptionszustände (Zöliakie, Magenbypass, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen) können höhere Dosen oder Flüssig-Formulierungen erfordern.
- Generika-zu-Marken-Wechsel (oder umgekehrt) sollten eine TSH-Kontrolle nach 4–6 Wochen auslösen.
Literatur
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- Garber JR, et al. Clinical Practice Guidelines for Hypothyroidism in Adults. Endocr Pract. 2012;18(6):988–1028.
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- Biondi B, Wartofsky L. Treatment with thyroid hormone. Endocr Rev. 2014;35(3):433–512.
Formel zuletzt überprüft: Februar 2026