Insulindosis-Rechner
Berechnen Sie die Startdosis für die Basal-Bolus-Insulintherapie. Tagesgesamtdosis (TDD), Basal-/Bolus-Aufteilung, Korrekturfaktor und Kohlenhydratfaktor basierend auf evidenzbasierten Formeln.
Patientendaten
⚠️ Hinweise zur Dosisanpassung
Haftungsausschluss: Dieser Rechner liefert ausschließlich Startdosis-Schätzungen. Der tatsächliche Insulinbedarf variiert individuell erheblich. Alle Dosierungen erfordern klinische Beurteilung und engmaschige Überwachung. Nicht für diabetische Notfälle geeignet.
Über diesen Rechner
Insulindosierung: Ein gewichtsbasierter Ansatz
Die Insulindosierung für die Basal-Bolus-Therapie beginnt mit der Schätzung der Tagesgesamtdosis (TDD) basierend auf dem Körpergewicht. Die Standard-Startdosis für die meisten Erwachsenen beträgt 0,5 IE/kg/Tag, wie von der American Diabetes Association (ADA) in den Standards of Care empfohlen. Diese Ausgangsschätzung berücksichtigt den durchschnittlichen Insulinbedarf von Patienten mit Typ-1- und Typ-2-Diabetes, wobei die individuellen Bedürfnisse je nach Insulinsensitivität, Körperzusammensetzung, residualer Betazellfunktion, Ernährung und körperlicher Aktivität erheblich variieren.
Die Tagesgesamtdosis (TDD) verstehen
Die TDD repräsentiert den gesamten Insulinbedarf eines Patienten über 24 Stunden, einschließlich Basal- (Hintergrund-) und Bolus- (Mahlzeiten-) Insulin. Bei Typ-1-Diabetes liegt die TDD typischerweise zwischen 0,4 und 1,0 IE/kg/Tag. Bei Typ-2-Diabetes kann die TDD je nach Grad der Insulinresistenz zwischen 0,3 und 2,0+ IE/kg/Tag liegen. Wesentliche Einflussfaktoren auf die TDD sind:
- Körpergewicht und BMI: Ein höherer BMI korreliert generell mit einer größeren Insulinresistenz und einem höheren TDD-Bedarf.
- Nierenfunktion: Eine abnehmende Nierenfunktion reduziert die Insulin-Clearance und erfordert niedrigere Dosen (25–50 % Reduktion bei eGFR <50).
- Alter: Ältere Patienten sind anfälliger für Hypoglykämien und benötigen oft eine konservative Dosierung (0,3 IE/kg/Tag).
- Kortikosteroid-Therapie: Glukokortikoide erhöhen die Insulinresistenz erheblich und erfordern oft 0,7–1,0+ IE/kg/Tag.
- Schwangerschaft: Der Insulinbedarf ändert sich im Verlauf der Schwangerschaft und steigt typischerweise im zweiten und dritten Trimester.
Basal-Bolus-Aufteilung: Das 50/50-Paradigma
Bei der physiologischen Insulinsubstitution werden etwa 50 % der TDD als Basalinsulin verabreicht, um die hepatische Glukoseproduktion zwischen den Mahlzeiten und über Nacht zu supprimieren, während die restlichen 50 % als Bolusinsulin auf die Mahlzeiten verteilt werden, um die Kohlenhydrataufnahme abzudecken und Hyperglykämien zu korrigieren. Diese 50/50-Aufteilung ist ein Ausgangspunkt — manche Patienten profitieren von einer 40/60-Aufteilung (weniger basal, mehr bolus) bei kohlenhydratreicher Ernährung oder von einer 60/40-Aufteilung (mehr basal, weniger bolus) bei vorwiegender Nüchternhyperglykämie.
Korrekturfaktor: Die 1800er- und 1500er-Regel
Der Korrekturfaktor (auch Insulinsensitivitätsfaktor, ISF) schätzt, um wie viel 1 Einheit Insulin den Blutzucker senkt. Für schnell wirkendes Insulin (Lispro, Aspart, Glulisin) lautet die Formel 1800 ÷ TDD. Für Normalinsulin lautet die Formel 1500 ÷ TDD. Der Unterschied spiegelt den schnelleren Wirkungseintritt und die kürzere Wirkdauer der schnell wirkenden Analoga wider. Beispiel: Ein Patient mit einer TDD von 60 Einheiten und schnell wirkendem Insulin hat einen Korrekturfaktor von 1800 ÷ 60 = 30 mg/dL pro Einheit.
Kohlenhydratfaktor: Die 500er-Regel
Der Kohlenhydratfaktor (KH-Faktor) schätzt, wie viele Gramm Kohlenhydrate von 1 Einheit schnell wirksamem Insulin abgedeckt werden: 500 ÷ TDD. Ein Patient mit einer TDD von 50 Einheiten hat einen KH-Faktor von 500 ÷ 50 = 10, was bedeutet, dass 1 Einheit Insulin 10 Gramm Kohlenhydrate abdeckt. Dieser Faktor hilft Patienten bei der Berechnung der Mahlzeiten-Bolusdosis mittels Kohlenhydratzählung. Die 500er-Regel liefert eine Ausgangsschätzung; die tatsächlichen Verhältnisse können je nach Mahlzeit und Tageszeit variieren.
Besondere Patientengruppen
Niereninsuffizienz: Die Niere ist für etwa 30–80 % der Insulin-Clearance verantwortlich. Bei abnehmender eGFR verlängert sich die Insulinhalbwertszeit, was das Hypoglykämierisiko erhöht. Leitlinien empfehlen eine TDD-Reduktion um ca. 25 % bei eGFR 10–50 ml/min und um ca. 50 % bei eGFR <10 ml/min oder Dialysepatienten.
Ältere Patienten: Die Endocrine Society und die ADA empfehlen weniger strenge glykämische Ziele (HbA1c <8,0 % oder <8,5 %) und eine konservative Insulindosierung (0,3 IE/kg/Tag) bei älteren Erwachsenen, um das Hypoglykämierisiko zu minimieren, das mit Stürzen, kognitivem Abbau und kardiovaskulären Ereignissen assoziiert ist.
Stationäre Patienten: Basal-Bolus-Insulin wird gegenüber alleiniger Korrekturskala bei nicht-kritisch kranken stationären Patienten mit Hyperglykämie bevorzugt. Der Ziel-Blutzucker liegt typischerweise bei 140–180 mg/dL. Umpierrez et al. zeigten eine überlegene glykämische Kontrolle mit Basal-Bolus-Regimen im Vergleich zu Korrekturinsulin allein.
🔑 Klinische Praxistipps
- Immer konservativ beginnen und auftitrieren — Hypoglykämie ist akut gefährlicher als Hyperglykämie.
- Diese Regeln (1800, 1500, 500) sind Ausgangsschätzungen. Die individuelle Reaktion variiert erheblich.
- Die Basalinsulindosis sollte in den meisten Fällen 0,5 IE/kg/Tag nicht überschreiten. Falls das Nüchtern-BZ-Ziel damit nicht erreicht wird, prandiales Insulin oder andere Substanzen optimieren.
- Bei stationären Patienten die ambulante TDD bei Aufnahme um 20–25 % reduzieren (reduzierte orale Nahrungsaufnahme).
- Diesen Rechner niemals für DKA oder hyperglykämische Notfälle verwenden — diese erfordern i.v.-Insulinprotokolle.
Wichtige Referenzen
- American Diabetes Association. Standards of Care in Diabetes — 2024. Diabetes Care. 2024;47(Suppl 1):S158–S178.
- Endocrine Society. Management of Hyperglycemia in Hospitalized Patients in Non-Critical Care Setting. J Clin Endocrinol Metab. 2022;107(8):2101–2128.
- Umpierrez GE, et al. Randomized study of basal-bolus insulin therapy in the inpatient management of patients with type 2 diabetes (RABBIT 2 trial). Diabetes Care. 2007;30(9):2181–2186.
- Davidson PC, et al. Analysis of guidelines for basal-bolus insulin dosing. Endocr Pract. 2008;14(9):1095–1101.
- Nationale VersorgungsLeitlinie Typ-2-Diabetes. Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), AWMF. 2023.
Formel zuletzt überprüft: Februar 2026